NZZ vom 16. April 2015: Erfolgreiches Boomer-Marketing

NZZ Neue Zürcher Zeitung

 Beitrag in der NZZ mit Gundolf Meyer-Hentschel:

… Gundolf Meyer-Hentschel bestätigt, dass in Gruppendiskussionen mit Senioren zunehmend der in der Werbebranche herrschende Jugendwahn auf Ablehnung stosse. Die Crux liege im besseren Verständnis der Zielgruppe. Die nun älter werdende Baby-Boom-Generation hatte kaum Entbehrungen wie die Kriegsjahre zu erdulden. Das Altern ist jedoch zwangsläufig eine Phase mit Verlusten, die Angst bereiten und gegen die viele insgeheim ankämpfen. Auch wenn sich die heutigen Senioren nicht in den jugendlichen Werbefiguren wiederfinden, wollen sie nicht direkt über ihr Alter angesprochen werden, weil sie dadurch eine Ausgrenzung befürchten.

So kann ein Reiseunternehmen, das auf Rentner spezialisiert ist, zwar mit dem Einsatz von medizinischem Begleitpersonal punkten, es sollte das Angebot aber nicht direkt auf ältere Reisende beziehen. Eine Baumarktkette hat hingegen von der Aufnahme von Rollatoren ins Sortiment profitiert, da die Boom-Generation solche Produkte nicht aus dem auf das Alter spezialisierten Fachhandel beziehen will.

Das Alter thematisieren

Unternehmen müssen die Angst vor dem Älterwerden ansprechen und gleichzeitig lindern, indem sie ihre Angebote so gestalten, dass sie die Bewältigung des Alltags erleichtern, ohne die Nutzer sozial zu marginalisieren. Laut Meyer-Hentschel führt dieser Ansatz allmählich zu einem Umdenken im Senioren-Marketing. Ein Pharmakonzern zum Beispiel hat sich diesem Trend bereits verschrieben und eine Werbeplattform lanciert, die dazu aufruft, alt zu werden, keine Angst zu haben und länger zu leben. Die dazugehörende Homepage bietet Informationen, wie man mit Beschwerden des Älterwerdens besser umgeht. Kaufen kann man die Produkte des Konzerns auf dieser Website jedoch nicht. Das Unternehmen will vielmehr demonstrieren, dass es die Zielgruppe der über 65-Jährigen mit ihren Sorgen nicht alleine lässt.

Auf das Produktdesign angepasst, kommt der neue Ansatz im Senioren-Marketing subtiler zur Geltung. Am besten spricht man die ältere Zielgruppe an, indem man ihre Beschwerden vorwegnimmt und in Angebote integriert, ohne Sondermodelle für Senioren in den Katalog zu stellen. Daher hat ein Hersteller von Waschmaschinen diverse Geräten so standardisiert, dass durch abgeschrägte Bedienungsfelder das tiefe Bücken wegfällt und ein gut fassbarer Drehknopf mit haptischer Resonanz die Programmwahl erleichtert. Produkte, die einfacher zu bedienen sind, kommen bei allen Altersgruppen besser an. Für Entwickler sollten Senioren als Messlatte dienen. Lässt sich ein Produkt von ihnen gut handhaben, ist es für die Jüngeren ideal.

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